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Geschichte der „Campbell Barracks“ und des „Mark-Twain-Village“

Wie auch der gesamte Militärstandort Heidelberg, haben die „Campbell Barracks“ und das rundherum errichtete „Mark-Twain-Village“ eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Mit dem Abzug der US-Streitkräfte aus der Stadt bis 2015 und der Übergabe der militärisch genutzten Liegenschaften an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) endet dieser Abschnitt der Stadtgeschichte.

Errichtung der heutigen „Campbell Barracks“

Als 1936 das 110. Infanterieregiment in Heidelberg aufgestellt wurde, reichte das Platzangebot in der Grenadier-Kaserne, heute als „Patton Barracks“ bekannt, nicht aus, um die neue Einheit zu beherbergen. Deshalb wurde 1937 die Großdeutschland-Kaserne im Süden Heidelbergs erbaut, die ihren Namen mit der Eingliederung Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 erhielt.

Die Kaserne beherbergte nach ihrer Fertigstellung den Regimentsstab des 110. Infanterieregiments, das Erste Bataillon inklusive dem Bataillonsstab sowie zwei Regimentsunterstützungskompanien. Das Zweite Bataillon des Regiments war in der Loretto-Kaserne, heute als „Hammonds Barracks“ bekannt, stationiert und das Dritte Bataillon in der bereits vorhandenen Grenadier-Kaserne.

Stationierung von US-Truppen in Heidelberg

Am Karfreitag, dem 30. März 1945 marschierten US-Truppen in Heidelberg ein und konnten die Stadt kampflos einnehmen. Die Großdeutschland-Kaserne wurde zuerst zum Hauptquartier der Sechsten Armeegruppe umfunktioniert, bevor sie in der unmittelbaren Nachkriegszeit die Hauptquartiere diverser US-Truppenteile beherbergte – der Siebten US-Armee bis 1946, der Dritten Armee bis 1947 und der daraus hervorgegangenen Polizeitruppe „United States Constabulary“ bis 1948.

Die „Campbell Barracks“ im Jahr 1945 aus der Luft. Foto: United States Army, CC0 1.0.

Ihren heutigen Namen erhielt die „Campbell Barracks“ am 23. August 1948. Sie wurde zu Ehren von Oberfeldwebel Charles L. Campbell vom 14. Infanterie­regiment der 71. Division benannt, der kurz vor Kriegsende nahe Mannheim gefallen war. Die Kaserne diente bis 1952 als Hauptquartier des European Command (EUCOM) und danach als Hauptquartier der United States Army Europe (USAREUR). Im Jahr 1966 wurde die Siebte Armee an das European Command angegliedert, so dass Heidelberg nun zum Hauptquartier der neuen, vergrößerten Einheit aufstieg.

In den Siebzigerjahren wurden weitere Einheiten der NATO in die „Campbell Barracks“ verlagert und Heidelberg beherbergte nunmehr neben dem Hauptquartier der United States Army Europe and Seventh Army (HQ USAREUR/7A), die Fourth Allied Tactical Air Force (4ATAF), die Central Army Group (CENTAG) und die Allied Command Europe Mobile Force – Land (AMF-L).

Die Wohnsiedlung „Mark-Twain-Village“

Anfang der Fünfzigerjahre zeichnete sich immer klarer ab, dass die US-Militärpräsenz wegen des aufkeimenden Kalten Krieges von Dauer sein wird. Für die in Heidelberg stationierten US-Truppen mussten deshalb neue Unterkünfte errichtet werden. Da sich die „Campbell Barracks“ auf Ackerland am südlichen Stadtrand befanden, wurde ihre Umgebung für die Errichtung einer entsprechenden Wohnsiedlung ausgewählt.

Das „Mark-Twain-Village“ wurde rund um die „Campbell Barracks“ errichtet und bot 708 Wohnungen für die US-Soldaten und ihre Angehörigen. Es erhielt seinen Namen aber erst im Jahre 1958. Als Namensgeber wurde der berühmte amerikanische Autor Samuel Langhorne Clemens gewählt, der unter dem Pseudonym Mark Twain nach einem dreimonatigen Aufenthalt in der Stadt begeistert über Heidelberg geschrieben hatte. Zuvor war die Wohnsiedlung inoffiziell als „Little America“ bekannt, was den starken amerikanischen Einfluss in Heidelberg verdeutlicht.

Die Wohnsiedlung war bis zu den Terroranschlägen des 11. September 2001 für jeden frei zugänglich, aber wurde danach aus Sicherheitsgründen mit einem Zaun versehen. Einige Teile des „Mark-Twain-Village“, die etwas abseits der eigentlichen Siedlung liegen, wurden bereits 2006 zurückgegeben. Im Jahr 2012 folgte die Rückgabe des östlich der Römerstraße liegenden Teils des Wohngebiets (Mark-Twain-Village Ost) sowie ein Teilbereich am Sickingen Platz.

Video: Bei einer Pressekonferenz im „Mark-Twain-Village“ wurde 2012 das gemeinsame Vorgehen der Stadt und der BImA bei der Entwicklung der Konversionsflächen vorgestellt

Die „Campbell Barracks“ nach dem Ende des Kalten Kriegs

Mit dem Fall der Mauer und der Überwindung der Teilung Europas veränderten sich auch die Anforderungen an die NATO und die Gaststreitkräfte in Deutschland. Im Jahr 1993 wurden deshalb CENTAG sowie 4ATAF aufgelöst. Ihre Räumlichkeiten in den „Campbell Barracks“ wurden von den Allied Land Forces Central Europe (LANDCENT), bestehend aus sieben NATO-Nationen, übernommen.

Im Jahr 2000 führte die Erweiterung der NATO zum Umbau des LANDCENT zum Joint Headquarters Centre (JHQ CENT), in dem nunmehr Personal aus zwölf NATO-Staaten zusammenarbeitete. Wenig später, im Jahr 2004, wurde auch das JHQ CENT umgewandelt und ging in das Component Command - Land Headquarters Heidelberg (CC-Land HQ HD) auf, das aus fünfzehn NATO-Nationen bestand. Auch diese Einheit wurde schließlich im Jahr 2010 von dem Allied Force Command Heidelberg (HQ FC HD) abgelöst, an der über 20 Staaten beteiligt waren.

Mit einem großen Appell verabschiedete sich das Allied Force Command am 14. März 2013 endgültig von den Heidelbergern und wurde am 31. März 2013 außer Dienst gestellt. Parallel dazu wurde das Hauptquartier der United States Army Europe (USAREUR) nach Wiesbaden verlegt. Für Heidelberg stellen diese historischen Ereignisse wichtige Schritte im Konversionsprozess dar, der die Stadt und die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar auch viele Jahre nach dem vollständigen Abzug der US-Streitkräfte bis 2015 weiter beschäftigen wird.

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